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Smiling woman bikepacker in a sleeping bag at night with her bicycle.

Reiseführer für Island

Zwischen Lava, Licht und Gegenwind

In den letzten Jahren sind wir immer weiter nach Norden gezogen. Weite Landschaften. Unverfälschtes Wetter. Orte, die nicht versuchen, zu beeindrucken. Island war einer davon.

Wir waren schon einmal hier – vor Jahren – und haben damals zum ersten Mal diese Mischung aus vulkanischem Boden, Moos und endlosem Horizont erlebt. Und damals haben wir Magne Kvam kennengelernt.

Damals flogen wir mit mehr Fragen als Antworten nach Hause.
Wie würde sich Island als Radreiseziel entwickeln? Würde es seine Ursprünglichkeit bewahren – oder sich zu einem glatten Reiseziel wandeln?

Jetzt sind wir zurückgekommen, um das herauszufinden.

Wiedersehen in Hveragerði

Wege, geformt von Feuer und Regen

Unser erster Halt: Hveragerði. Von hier aus leitet Magne seine Basis, Icebike Adventures – unaufgeregt, zweckmäßig, ganz in der Nähe der Berge.

Schon nach wenigen Kilometern wird klar: Hier hat sich etwas getan. Mehr Trails. Bessere Verbindungen. Ein flüssigerer Flow. Und doch ist der raue Charakter geblieben. Schwarzes Lavagestein unter unseren Reifen, überraschend griffig – sogar im Regen.

Und Regen ist es, was wir bekommen. Island empfängt uns nicht mit Postkartenwetter. Der Wind peitscht seitlich, der Nieselregen treibt waagerecht dahin. Aber das gehört dazu. Die Bedingungen stellen uns auf die Probe, ohne uns zu brechen.

Am Abend fahren wir hinauf ins Reykjadalur-Tal. Die Wanderer kämpfen sich die Schotterstraße hinauf, während wir mit Hilfe der Unterstützung sanft nach oben gleiten. Wenig später sitzen wir im heißen Fluss. Kalte Luft. Warmes Wasser. Schwere Beine. Das reicht.

Schafe als Wegbauer

Hochland statt Hotspots

Magne sagt nur: „Folge den Schafen.“

Das klingt wie ein Witz. Ist es aber nicht. Viele der besten Routen ins Hochland wurden über Jahre hinweg von Tieren geformt. Schmale Pfade, die sich logisch in das Gelände einfügen und überraschend gut befahrbar sind.

Das isländische Hochland ist nur wenige Monate im Jahr befahrbar. Sobald die Schotterstraßen frei sind, werden Pläne Wirklichkeit. Wir machen uns auf den Weg nach Landmannalaugar. Flussüberquerungen. Unwegsames Gelände. Konzentration. Hier draußen geht es nicht um Geschwindigkeit – es geht um das richtige Timing.

Zwischen Rhyolithbergen, dampfenden Fumarolen und schwarzen Lavafeldern wird eines klar: Island inszeniert sich nicht. Es ist einfach da. Weitläufig. Ungeschönt.

Wir fahren auf Abschnitten des Laugavegur-Wanderwegs und teilen die Weite mit Wanderern und dem Wind. Am Abend lassen wir uns in einem natürlichen Thermalbecken in der Nähe des Lagers treiben. Der Körper ist müde. Der Geist ist ruhig.

Instagram vs. Realität

Múlagljúfur im Gegenlicht

Ein Abstecher führt uns zum Múlagljúfur-Canyon. Ein Social-Media-Hit – in Wirklichkeit ruhiger als erwartet.

Der Anstieg ist technisch anspruchsvoll. Ohne Motorunterstützung müsste man hier die Räder schieben. Oben angekommen, fällt der Blick in eine Schlucht, die von der Ringstraße aus nicht zu sehen ist. Die Abfahrt ist kurz, intensiv und präzise. Ein Trail, der noch lange nachhallt.

Ein Tal, das nichts beweisen muss

Thórsmörk

Unser letzter großer Halt: Þórsmörk. Der Weg dorthin ist holprig, die Flussüberquerungen tief. Island macht deutlich, wer hier das Sagen hat.

Wir machen uns auf den Weg zum Fimmvörðuháls, mit Blick auf den Eyjafjallajökull und die Gletscherzungen des Mýrdalsjökull. Schmale Pfade schlängeln sich durch moosbedeckte Hänge. Die Serpentinen erfordern volle Konzentration.

Wir halten auf einem Felsvorsprung an. Das Tal unter uns. Das Licht über uns spielt. Kein Lärm. Kein Empfang. Keine Ablenkung.

Hier wird deutlich, was sich geändert hat – und was nicht. Die Infrastruktur ist professioneller. Das Angebot ist vielfältiger. Aber die Natur dominiert nach wie vor. Nichts wird umsonst gegeben.

Und genau deshalb fühlt sich jeder Kilometer wie ein verdienter Erfolg an.

Fazit

Zurückkommen, um die Dinge mit anderen Augen zu sehen

Das war kein Vergleich zwischen damals und heute. Es war ein Perspektivwechsel.

Island hat sich zu einer beliebten Radregion entwickelt.
Mehr Wege. Mehr Möglichkeiten. Mehr Struktur.

Aber das Wesentliche bleibt:
Wind als Widerstand. Lava als Boden. Wasser als Kontrast.

Wir sind zurückgekommen, um zu sehen, wie sich Island verändert hat.
Und mir wurde klar, dass wir es waren, die sich am meisten verändert hatten.

Island – Wissenswertes

Wo liegt Island?

Island ist eine Insel im Nordatlantik, direkt südlich des Polarkreises, zwischen Grönland und Norwegen gelegen.

Größe & Einwohnerzahl

  • Fläche: ~103.000 km² (größer als Portugal)
  • Einwohnerzahl: ca. 380.000 Menschen – sehr dünn besiedelt

Anreise

Mit dem Flugzeug

  • Direktflüge von vielen großen deutschen Flughäfen nach Reykjavík (Keflavík International Airport).
  • Verbindungen ab Berlin, Frankfurt, München usw.
  • Hin- und Rückflüge gibt es ab etwa 300 €, je nach Saison und Fluggesellschaft.
  • Wenn du zusätzliches Gepäck hast, kann die Business Class manchmal günstiger sein, da sie oft ein zusätzliches aufgegebenes Gepäckstück beinhaltet.
  • Der Transport eines Fahrrads kostet in der Regel etwa 170 € für Hin- und Rückflug.

Tipp: Reykjavík ist ein beliebter Zwischenstopp zwischen Europa und Nordamerika, was oft bedeutet, dass es viele Flugverbindungen gibt.

Mit dem Fahrrad unterwegs

  • Das geht mit einem normalen Mountainbike.
  • Das Fliegen mit einem E-Bike ist aufgrund von Beschränkungen bei den Akkus komplizierter.
  • Fahrradakkus dürfen nicht auf Linienflügen mitgenommen werden. Es ist jedoch möglich, Akkus vor Ort zu mieten. Wir haben vor Ort Bosch-Akkus gemietet – überprüfe die Kompatibilität im Voraus.
  • Wichtig: Nicht alle Bosch-Akkus sind identisch. Bring bitte die spezifischen Adapterplatten mit, die an deinem Akkusystem montiert sind, um die Kompatibilität sicherzustellen.

Unterwegs in Island

Mietwagen

Wenn du flexibel sein willst, ist ein Auto fast unverzichtbar.

Mietpreise pro Woche:

  • Kleinwagen: ca. 250–450 € pro Woche (ca. 40–60 € pro Tag bei günstigen Angeboten)
  • Geländewagen für das Hochland: deutlich teurer, oft 1.000–2.000 € pro Woche, je nach Saison und Versicherung

Wichtig: Für die Straßen im Hochland ist ein Allradfahrzeug erforderlich. Normale PKWs sind nicht zugelassen.

Öffentliche Verkehrsmittel

Es gibt zwar Buslinien und Hochlandbusse, aber ihr Angebot ist begrenzt, saisonabhängig und weniger flexibel.

Rad- und Bike-Spots

Bestes Basislager

Icebike Adventures (ca. 30 km von Reykjavík entfernt)

  • Eine gut ausgebaute Fahrradinfrastruktur
  • Der leidenschaftliche Besitzer (Magne)
  • Leihfahrräder & Mehrtages-Touren für erfahrene Radfahrer
  • https://icebikeadventures.com

Iceland Bike Farm

  • Unterkunft auf einem Bauernhof (Privatzimmer oder Mehrbettzimmer)
  • Direkter Zugang zu den Trails, darunter Flow-Trails und eine ca. 20 km lange Rundstrecke
  • https://www.icelandbikefarm.is

Praktische Reiseinformationen

Warum ein Auto mieten?

Island ist riesig und die Sehenswürdigkeiten liegen weit verstreut. Mit einem eigenen Auto bist du maximal flexibel.

Flughafentransfers

Shuttlebusse verbinden den Flughafen Keflavík mit Reykjavík und den wichtigsten Hotels, sind aber für längere Autofahrten nicht besonders praktisch.

Beste Reisezeit

  • Sommer: Längere Tageslichtstunden, die meisten Einrichtungen sind geöffnet. Die beste Zeit für Ausritte im Hochland ist von Juni bis Oktober – außerhalb dieses Zeitraums sind die Wege oft schneebedeckt.
  • Frühling/Herbst: Oft günstigere Flüge und weniger Touristen.
Two mountain bikers riding through a remote, rugged volcanic landscape with snow patches.